Geschichte des Dachdeckens

Im 12. bis 13. Jahrhundert erfand man in Frankreich von neuem die nach der Römerzeit in Vergessenheit geratenen, muldenförmigen Tonziegel und um das Jahr 1300 den Biberschwanz, eine Deckung, die in Frankreich den Namen "Deckung des Grafen Heinrich" trägt und in Deutschland zunächst als "Ochsenzunge" oder "Zungenstein" bekannt wurde. Von Frankreich aus brachten Mönchsorden die Ziegeldeckung mit ihrer Einwanderung nach Italien und Flandern und verschafften ihr hier große Verbreitung. Um 1400 kamen in Flandern dann die S-Pfannen auf, die man später als "Holländische Dachpfannen" bezeichnete. In Deutschland indessen führte sich erst die Ziegeldeckung in größerem Umfange ein, zunächst mit Hohlziegeln, denen später die Biberschwänze, Holländischen Dachpfannen, Mönch und Nonnen- und als Zwischenform die Krempziegel folgten.
Die Dachdeckerei als selbständiges Gewerbe tritt erst mit dem Gedeihen des mittelalterlichen Städtebaues in Erscheinung, als die Landleute mit dem Ruf "Stadtluft macht frei!" in die privilegierten Marktflecken zogen. Bis dahin wurde das Dach im allgemeinen in Selbst- oder Nachbarschaftshilfe gedeckt. Die Dachdecker ("Tekken"), von denen erstmalig im 13. Jahrhundert die Rede ist, galten in den meisten Städten als "freies Gewerbe"; sie unterlagen also keinem Zunftzwang. Erstmals in Frankfurt bildeten im Jahre 1355 die Steindecker (Schiefer- und Ziegeldecker) eine eigene Zunft und ein Siegel aus dem Jahre 1614 zeugt von einer Dachdeckerzunft in der Prager Neustadt.