Geschichte des Dachdeckens

Mit Abschluss der dorischen Wanderung um 1200 v.Chr. setzt in Griechenland die Baukultur der Säulenhallen und Steinbauten ein. Etwa um 800 v.Chr. entstand das Rundziegeldach, dem als Vorbild die Rindendeckung diente, und 500 v.Chr. entwickelten die Griechen nach dem gleichen Prinzip die ersten Hohlziegeldächer. Ihre ursprünglichen Formen waren schwachrunde Muldenziegel, die auf Längssparren verlegt wurden und mit stärker gerundeten Deckziegeln nach oben abgeschlossen waren. Diese Deckweise ist der Vorläufer unserer heutigen Mönch- und Nonnenziegeldeckung. Schon zur damaligen Zeit kannte man das Verfahren, Hohlziegel in verschiedenen Farben zu engobieren. Neben den Hohlziegeln entstanden an den Längsrändern aufgekantete Planziegel, und aus diesen entwickelte sich dann später wiederum der sogenannte Krempziegel.

Die Griechen schufen im Laufe der Zeit ein technisch und ästhetisch weitgehend vollendetes Dach, das in Form und Aufbau mit allen Teilen des Gebäudes harmonierte. Die einzelnen Deckziegel waren in ihrer Breite durch den Abstand der Säulen bestimmt und jeder Stein mit einer Verzierung geschmückt, die der Anordnung der Deckung in der Dachfläche entsprach.
Der Falzziegel, den man um 1844 im Oberelsass neu konstruierte, war bereits eine Erfindung der alten Griechen, die nur im Laufe der Zeit wieder in Vergessenheit geriet. Bei der griechischen Ausführung zeigten die einzelnen Steine schon eine Überfalzung am Fußende und an einer Längsseite. Die Verlegung erfolgte, ganz im Gegensatz zur heutigen Art, nicht auf einzelne Latten oder Querhölzer, vielmehr wurden die Ziegel mit der Nase in eine dicke, durchgehende Lehmstroh- oder Mörtelschicht eingedrückt, die zugleich auch eine gute Wärmedämmung ergab. Als Material wurde für die Dachziegel, außer Lehm, bei sehr wertvollen Bauten auch geschnittener Marmor verwendet. Nur nebenbei sei erwähnt, dass in China und Japan noch heute nach dem gleichen, altüberlieferten Prinzip gedeckt wird. Später entwickelten die Römer die von den Etruskern und Griechen übernommenen Deckungen dahin weiter, dass sie auch Metallplatten, Biberschwänze aus Bronze - teilweise mit Goldüberzug - und Schiefer aufbrachten.